Geschichte

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Geschichte Dürrlewangs, einem Stadtteil im Stadtbezirk Vaihingen. Große Teile der Stadt wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und viele Bewohner wurden wohnungslos. Hinzu kamen viele Kriegsflüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Für einen erheblichen Teil der Bevölkerung standen in den 1950er-Jahren nur Notunterkünfte oder viel zu kleine Wohnungen zur Verfügung.  Auch an der heutigen Dürrlewangstraße gab es Bretterbuden. Aufgrund der Wohnungsnot kaufte die Stadt den bisherigen Besitzern die Felder zwischen Möhringen und Vaihingen ab und begann  mit dem Bau der Siedlung Dürrlewang auf der grünen Wiese. Einziges bis dato bestehendes Gebäude war das Haus Schöbel. Der Name Dürrlewang bedeutet im Übrigen so viel wie „dürres Wang“, also ein sumpfiges, unfruchtbares Gelände. Noch heute werden Teile des Stadtteils bei Starkregen unter Wasser gesetzt.

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Abbildung: Galilei- und Osterbronnstraße im Jahr 1961: Konsequente Ausrichtung der Zeilenbauten von Nord nach Süd für viel Luft und Sonne. Auf den Straßen waren Autos noch selten. (Quelle: Archiv Hans Martin Wörner, Stuttgart)

Als 1957, also vor gerade einmal 60 Jahren, die ersten Familien in den neuen Stadtteil einzogen, waren viele überglücklich mit ihrem neuen Heim. Zwar mangelte es zunächst noch an festen Wegen oder einer nächtlichen Straßenbeleuchtung, doch machten das die modernen Wohnungen mit Bad, Küche mit Elektroherd, Heizung, Warmwasser und ein bis zwei Balkone je Wohnung wieder wett: in den heute beliebten Gründerzeitvierteln der Innenstadt gab es solch einen Luxus zu dieser Zeit nur selten. Die ersten Bauherren waren gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften, staatliche Institutionen und private Firmen. Sie erbauten die für Dürrlewang und die 1950er Jahre typischen Mietshäuser in Zeilenbauweise. Der Städtebau richtet sich nach dem Leitbild der "gegliederten und aufgelockerten Stadt" mit vielen Freiflächen zwischen den Häuserzeilen, einer zentralen Ladenzeile zur Nahversorgung, getrennten Wegen für Fußgänger und breite Straßen für das noch vereinzelt vorkommende aber vielversprechende Fortbewegungsmittel der Zeit: dem Auto.

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Abbildung: Brunnen im Dürrlewang-Park in den 1960er-Jahren. Aus der dringlichen Aufgabe viele Familien unterzubringen und wegen dem attraktiven Umfeld, war Dürrlewang sehr kinderreich. (Quelle: Archiv Hans Martin Wörner, Stuttgart)

Doch der Bau der Siedlung war noch lange nicht abgeschlossen. Viele Firmen erwarben Anteile an den Wohnungsbaugesellschaften, um ihren Mitarbeitern Wohnungen bereitzustellen. Zusätzlich entstanden im Zuge des zunehmenden Wohlstands um den Siedlungskern mit seinen Zeilenbauten im nördlichen und südlichen Teil Dürrlewangs Ein- und Mehrfamilienhäuser, in die auch viele „Ortsansässige“ aus Vaihingen oder Möhringen einzogen. In der zentralen Ladenzeile mit dem direkt angrenzenden Park und auch in der Schopenhauerstraße war ein vielfältiges Angebot (Lebensmmittel, Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Gaststätte, ortsnahe Post, Fachdrogerie, Fotogeschäft und eine Sparkasse, kurzzeitig auch ein Kino) vorhanden.

Die katholische Kirchengemeinde begann ihr Gemeindezentrum 1959 mit dem Bau der Kirche und ergänzte dieses in den 1960er-Jahren mit Kindergarten und Gemeindesaal. Die evangelische Gemeinde errichtete 1961 zuerst ihr Gemeindezentrum mit Kindergarten und erst 1966 die Kirche. Architekt war der bekannte Stuttgarter Architekt Wolf Irion, der u.a. auch die evangelische Kirche in Vaihingen und den Nachkriegsbau des Hospitalhofs baute.

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Abbildung: Die Ladenzeile in den 1960er Jahren mit neu angelegtem Park im Vordergrund und den beiden Wohnhochhäusern Dürrlewangs im Hintergrund. (Quelle: Archiv Hans Martin Wörner, Stuttgart)

Schon früh, im Jahr 1965 formierte sich die Bürgerinitiative "Schutzgemeinschaft Dürrlewang-Wald", die eine geplante Verdoppelung der Siedlungsfläche auf Kosten des heute beliebten und wichtigen Waldes verhindern konnte. In den 1970er-Jahren führten die Proteste einer Mieterinitiative zu einer ersten großflächigen Sanierung im Stadtteil, da einige Wohnungen sehr zügig in einfachster Bauweise errichtet wurden, um auch einkommensschwächeren Familien schnell eine Unterkunft bieten zu können.

Heute ist Dürrlewang ein beschaulicher Stadtteil am Rande Stuttgarts, der vor allem durch seinen Freiraumcharakter und der Nähe zur Natur besticht. Durch seine heute vielfältige Bebauung (ca. 50% Wohnungen in Zeilenbauweise, ca. 50% Ein- und Mehrfamilienhäuser) zieht der Stadtteil verschiedenste Bevölkerungsteile an. Durch die 2016 neueröffnete Stadtbahnlinie U12 mit Endhaltestelle in Dürrlewang, dem S-Bahn-Anschluss in Rohr sowie einer Buslinie, ist der Stadtteil trotz peripherer Lage gut an die Stuttgarter Innenstadt und an das Zentrum Vaihingen angeschlossen.